Eisleben ist oft das Bethlehem unter den Lutherstätten genannt worden: Hier wurde Martin Luther am 10. November 1483 geboren und am Tag darauf in der Petri-Pauli-Kirche auf den Namen des Tagesheiligen Martin getauft.
Und es wurde sein Jerusalem: Nach der Schlichtung eines Streits der Mansfelder Grafen, zu der man ihn nach Eisleben gerufen hatte, starb er hier am 18. Februar 1546. Geburtshaus und Sterbehaus sind Zeugnisse dieser Eckdaten, die kaum als Zufall gelten können.
Geburt und Taufe
Martin Luthers Eltern, aus Thüringen kommend, suchten im Mansfelder Bergbau Arbeit und nahmen in Eisleben einen Zwischenaufenthalt von knapp einem halben Jahr, bevor sie in Mansfeld sesshaft wurden. In diese Zeit fiel die Geburt des Sohnes.
Dass der Heilige des 11. November der Bischof Martin von Tours ist, der mit dem Bettler den Mantel teilte, führte Jahrhunderte später zu einem besonderen Fest der Stadt: dem ökumenischen Martinstag, Quellort der ökumenischen Zusammenarbeit in Eisleben.
Das Geburtshaus in der Lutherstraße, seit 1693 Gedenkstätte und damit eines der ältesten Museen im deutschsprachigen Raum, ist seit 1996 Welterbe; die Taufkirche St. Petri-Pauli wurde 2012 zum Zentrum Taufe umgestaltet.
Verbindungen ins Mansfelder Land
Auch zu Lebzeiten hatte Luther vielfältige Beziehungen zu Eisleben, seinem Vaterland, wie er es nannte. Als Mönch visitierte er das Kloster St. Annen. In den Bauernkrieg griff er an Ort und Stelle literarisch ein, wenig glücklich. Er gründete in Eisleben eine Lateinschule und riet einer Nonne aus Eisleben-Helfta, das Kloster zu verlassen, was ihm Ärger einbrachte.
Mit seinem alten Weggefährten Johann Agricola, Pfarrer an der Nikolaikirche, geriet er in einen leidenschaftlichen Streit um die Moralpredigt, die Agricola radikal ablehnte; dem Grickel, wie er ihn nannte, warf Luther vor zu übersehen, dass der Mensch heute ein Engel und morgen ein Teufel sein könne.
Die frühkapitalistischen Manieren des Grafen Albrecht von Mansfeld, seines Landesherrn, kritisierte er besonders hart, ein Beispiel dafür, dass er vor Fürsten kein Blatt vor den Mund nahm. Seine plastische, oft derbe Sprache verrät den Mansfelder.
Die letzte Reise
Luther wollte mit den Mansfeldischen Säuhändeln, wie er den Grafenstreit nannte, verschont bleiben, fuhr aber im kalten Winter 1546 doch nach Eisleben. Von dort schrieb er an seine Frau Käthe, die Sorgerin: Lass mich in Frieden mit deiner Sorge, ich habe einen besseren Sorger, denn du und alle Engel sind.
Er freute sich über die Fortschritte der Vermittlung, das stachligste Stachelschwein sei nach heißem Kampf gestochen worden, und ahnte sein Ende: Wenn er nach Wittenberg zurückkomme, wolle er sich in den Sarg legen und den Maden einen feisten Doktor zu essen geben.
In der Andreaskirche gegenüber dem Sterbehaus hielt er seine vier letzten Predigten. In der Sterbenacht betete er wiederholt: Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist.
Auf die Frage, ob er auf Christus und die Lehre, wie er sie gepredigt habe, beständig bleiben wolle, antwortete er mit einem klaren Ja, bevor er in den Morgenstunden des 18. Februar mit Stille und großer Geduld entschlief, so der Augenzeuge Justus Jonas, sein Weggefährte und Hallescher Superintendent.
Eisleben heute
Geburtshaus und Sterbehaus sind Museen der Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt, beide seit 1996 Welterbe. Die Andreaskirche mit der Kanzel der letzten Predigten, die Nikolaikirche und die Petri-Pauli-Kirche stehen offen; der Lutherweg verbindet Eisleben mit Mansfeld, wo das 2014 eröffnete Museum Luthers Elternhaus die Kindheit des Reformators zeigt.
Die Wurzeln des Reformators liegen im Mansfelder Land, und die Region gedenkt seiner, weil er zu ihren Wurzeln gehört. Die Übersicht der Lutherstätten und die Karte führen zu den weiteren Orten; welche Gemeinde heute zu welchem Kirchenkreis gehört, nennt das Verzeichnis der Gemeinden.