Der Naumburger Dom St. Peter und Paul ist zwei Dinge zugleich: ein Welterbe, das jährlich weit über hunderttausend Besucherinnen und Besucher anzieht, und die Predigtkirche einer lebendigen evangelischen Gemeinde. Wer die Gottesdienste im Naumburger Dom besuchen will, braucht keine Karte und keine Anmeldung; wer den Dom besichtigen will, braucht die Öffnungszeiten der Vereinigten Domstifter. Diese Seite hält beides auseinander.
Gottesdienste im Naumburger Dom: jeden Sonntag um 10 Uhr
Die evangelische Kirchengemeinde Naumburg feiert jeden Sonntag um 10 Uhr Gottesdienst im Dom. An vielen Sonntagen wird das Abendmahl gefeiert, an den meisten singt die Domkantorei oder musiziert ein Ensemble.
Der Dom hat mit seiner Akustik und den zwei Chören eine musikalische Tradition, die bis zu den Domherren des Mittelalters zurückreicht. Der Gottesdienst findet in der Regel im Ostchor statt, dem älteren Teil der Kathedrale mit der Krypta darunter.
Zum Kirchenjahr gehören feste Gottesdienste im Dom, die weit über die Gemeinde hinaus besucht werden: die Christvespern am Heiligabend, die Osternacht mit Prozession, das Erntedankfest mit den Kindern der Gemeinde und die Adventsandachten.
Die Termine wechseln von Jahr zu Jahr; die Kirchengemeinde veröffentlicht sie im Gemeindebrief und auf ihrer Seite, die Vereinigten Domstifter führen sie im Veranstaltungskalender des Doms. Während der Gottesdienste im Naumburger Dom ruht die touristische Besichtigung; Besucherinnen und Besucher sind als Gäste des Gottesdienstes willkommen.
Die Domgemeinde und die Domkantorei
Die Domgemeinde ist die evangelische Kirchengemeinde Naumburg, die neben dem Dom die Stadtkirche St. Wenzel mit der berühmten Hildebrandt-Orgel und die Marienkirche am Dom nutzt. Ihr Gemeindebüro sitzt am Domplatz 8, 06618 Naumburg, Telefon 03445 201516.
Die Domkantorei, der Domchor mit Kinderkantorei und ein Kammerorchester gestalten die Musik der Gottesdienste; Konzerte im Dom veranstalten Domgemeinde und Domstifter gemeinsam oder mit Gastensembles.
Die Marienkirche am Dom, südlich an den Kreuzgang angebaut, war die Pfarrkirche der Domfreiheit, also des Bezirks der Domgeistlichen, der bis ins 19. Jahrhundert eine eigene Gemeinde bildete.
Die Domgemeinde nutzt sie als beheizbaren Raum in der kalten Jahreszeit und für Gottesdienste im kleineren Kreis. Wer im Winter zum Gottesdienst kommt, fragt am besten vorher nach, ob im Dom oder in der Marienkirche gefeiert wird.
Welterbe: Westlettner, Stifterfiguren und die zwei Chöre
Der Dom wurde ab etwa 1210 als spätromanische Basilika begonnen und um 1250 mit dem frühgotischen Westchor vollendet. Dort schuf der namenlos gebliebene Naumburger Meister den Westlettner mit der Passion Christi und die zwölf lebensgroßen Stifterfiguren, unter ihnen Ekkehard und Uta von Ballenstedt.
Die Figuren stellen keine Zeitgenossen dar, sondern Wohltäter des Bistums aus dem 11. Jahrhundert, gedacht als Mahnung an die Nachwelt, die Stiftung zu erhalten. Ihre Lebensnähe war im 13. Jahrhundert ohne Vorbild; die UNESCO nahm den Dom 2018 als Welterbe auf.
Zum Domschatz gehören die romanische Krypta unter dem Ostchor, der Kreuzgang mit der Marienkirche, die Dreikönigskapelle und der Domgarten mit den Pflanzen der Stifterfiguren.
Die Stiftung Vereinigte Domstifter zu Merseburg und Naumburg und des Kollegiatstifts Zeitz, seit der Reformation Trägerin des Doms, unterhält Bauwerk, Schatz und Domschule. Sie erhebt für die Besichtigung Eintritt und bietet Führungen an; Öffnungszeiten und Preise stehen auf naumburger-dom.de.
Besuch: Öffnungszeiten, Eintritt und Anfahrt
Für den Naumburger Dom Besuch gilt eine einfache Regel: Gottesdienst frei, Besichtigung mit Karte. Der Dom ist ganzjährig geöffnet, im Sommer länger als im Winter, an Sonntagen erst nach dem Gottesdienst.
Die Kasse liegt am Domplatz, Audioguides und Führungen gibt es in mehreren Sprachen. Zwischen Kasse, Kreuzgang und Domgarten ist der Rundgang barrierearm; der Westchor mit den Stifterfiguren ist über wenige Stufen erreichbar.
Naumburg liegt an der Saale zwischen Halle und Jena, mit Bahnhof an der Strecke Halle–Erfurt und Anschluss nach Leipzig. Vom Bahnhof führt die Straßenbahn oder ein Fußweg von etwa zwanzig Minuten hinauf zum Domplatz.
Wer den Naumburger Dom Besuch mit dem Gottesdienst verbindet, kommt am Sonntag vor 10 Uhr, nimmt am Gottesdienst teil und besichtigt anschließend den Westchor, wenn die Kasse öffnet.
Naumburg und die Reformation
Der Dom gehört zu den Lutherstätten Mitteldeutschlands. Am 20. Januar 1542 führte Martin Luther hier Nikolaus von Amsdorf als ersten evangelischen Bischof ein, ein Ereignis, das im ganzen Reich Aufsehen erregte. Die evangelische Verwaltung des Bistums dauerte nur wenige Jahre, doch Stadt und Dom blieben evangelisch.
Die Domstifter überstanden die Reformation als Stiftung: Sie verloren ihre bischöflichen Aufgaben, behielten aber Besitz und Bauten, und in dieser Form unterhalten sie den Dom bis heute. Wer mehr zu den Lutherstätten der Region sucht, findet sie im Verzeichnis unter Kirchen & Orte und in der Übersicht der Lutherstätten.
