Diese Seite gehörte zum Auftritt des Archivs der Evangelischen Kirche der Kirchenprovinz Sachsen und erklärte Familienforschern den Weg zu den Quellen. Die Grundsätze gelten unverändert; wo sich Zuständigkeiten seit 2009 geändert haben, ist das vermerkt. Den aktuellen Weg mit Archion, Lesesaal und Gemeindesuche beschreibt die Seite Kirchenbücher.
Der Ort steht vor dem Namen
Wer Familienforschung betreiben will, muss wissen, in welchem Ort, besser noch in welcher Kirchengemeinde die Vorfahren gelebt haben. Eine Recherche nur nach Namen ist nicht möglich, weil keine ortsübergreifenden oder regionalen Namensregister existieren.
Bei Auswanderern kann der Herkunftsort oft über die Auswandererunterlagen in den staatlichen Archiven ermittelt werden. Das Verzeichnis der Gemeinden nennt zu jedem Ort den Kirchenkreis und den Pfarrort, unter dem die Bücher geführt wurden; die Übersicht der Kirchenkreise zeigt den Zuschnitt um 2004.
Ort und Pfarrort fallen dabei häufig auseinander. Kleine Dörfer hatten selten ein eigenes Pfarramt; sie gehörten als Filial- oder Tochtergemeinde zu einer Mutterkirche, und dort wurde das Kirchenbuch geführt. Wer im eigenen Dorf nichts findet, sucht deshalb nicht falsch, sondern am falschen Ort.
Wo die Kirchenbücher liegen
Die Kirchenbücher lagen in der Kirchenprovinz Sachsen in der Regel in den Pfarrämtern, und dort liegen die Originale bis heute. Das Archiv in Magdeburg verfügte 2003 nur über Magdeburger Kirchenbücher aus einigen begrenzten Regionen sowie über Filme.
Genealogische Recherchen aus diesen Unterlagen konnte das Archiv aus personellen Gründen nicht erteilen; möglich war und ist, die Recherche selbst durchzuführen oder eine dritte Person damit zu beauftragen und im Archiv Kopien von den Filmen anzufertigen oder zu bestellen.
Seit der 2001 beschlossenen Verfilmung liegen die Filme aller Kirchenbücher der Kirchenprovinz im Landeskirchenarchiv der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, Freiherr-vom-Stein-Straße 47 in Magdeburg, und für 17 Kirchenkreise im Portal Archion. Wie es zu dieser Verfilmung kam, schildert das Gespräch über den Säurefraß an Büchern.
Anfragen zu evangelischen Magdeburger Familien nahm 2003 die Magdeburger Kirchenbuchstelle des Kirchenkreises Magdeburg entgegen; Recherchen zu Orten im Kirchenkreis Elbe-Fläming übernahm das Kirchliche Verwaltungsamt in Burg. Beide Stellen sind in den heutigen Kirchenkreisstrukturen der EKM aufgegangen; Ansprechpartner nennt der jeweilige Kirchenkreis.
Die Grenze von 1874
Für Personendaten aus der Zeit nach dem 1. Oktober 1874 sind die örtlichen Standesämter zuständig, da die Kirchenbücher nach dem Inkrafttreten des preußischen Personenstandsgesetzes nur noch der Vermittlung der kirchlichen Amtshandlungen dienen.
Kirchenbücher werden für diese Zeit nur ersatzweise herangezogen, wenn die standesamtlichen Unterlagen vernichtet sind. Für die Jahre 1794 bis 1874 halten die staatlichen Archive zudem die Kirchenbuchduplikate bereit, für Sachsen-Anhalt das Landesarchiv Sachsen-Anhalt in Magdeburg.
Diese Duplikate sind mehr als eine Doppelung. Wo ein Pfarrarchiv durch Brand, Krieg oder Nachlässigkeit verloren ging, ist die staatlich verwahrte Zweitschrift die einzige Überlieferung; umgekehrt ist sie oft flüchtiger geschrieben als das Original und enthält weniger Randbemerkungen. Beide Stücke nebeneinander zu lesen, lohnt sich deshalb regelmäßig.
Weitere Anlaufstellen
Wer nach Lebensdaten von Pfarrern sucht, wendet sich an das Projekt Pfarrerbuch, das aus der Pfarrerkartei am Interdisziplinären Zentrum für Pietismusforschung der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg hervorging und als mehrbändiges Pfarrerbuch der Kirchenprovinz Sachsen erschienen ist.
Weitere Adressen, die 2003 genannt wurden und weiterhin gelten: das Landesarchiv Sachsen-Anhalt in Magdeburg für Auswandererunterlagen und Kirchenbuchduplikate, die Deutsche Zentralstelle für Genealogie im Sächsischen Staatsarchiv Leipzig, der Deutsche Hugenotten-Verein in Bad Karlshafen für die reformierten Gemeinden und das Archiv Biographia Judaica für jüdische Familien.
Ergänzend lohnt der Blick in die gedruckte Überlieferung. Kirchenbibliotheken wie die Marienbibliothek in Halle verwahren Leichenpredigten, Ortsbeschreibungen und Gemeindeschriften, und der Verein für Kirchengeschichte hat Pfarr- und Ortsgeschichten veröffentlicht. Welche Angaben dieses Verzeichnis führt und auf welchem Stand sie sind, erklärt die Seite Quellen.