Die Kirchenprovinz Sachsen, in ihren Grenzen weitgehend identisch mit der ehemaligen preußischen Provinz Sachsen, erstreckte sich auf weite Teile der Bundesländer Sachsen-Anhalt und Thüringen sowie auf Randgebiete von Sachsen und Brandenburg; ihren Verwaltungsmittelpunkt hatte sie von Anfang an in Magdeburg.
Seit der Mission des Bonifatius und den Bistums- und Klostergründungen der Ottonen ist das Gebiet kirchengeschichtsträchtig: Wittenberg ist die Wiege der Reformation, Halle das Zentrum des preußischen Pietismus. Von hier gingen immer wieder Anstöße aus, die nicht nur die Kirchengeschichte der Region prägten.
Der Verein
Der Verein für Kirchengeschichte der Kirchenprovinz Sachsen e.V. steht in der Tradition des Vereins für Kirchengeschichte in der Provinz Sachsen, der von 1903 bis 1945 bestand, und des Arbeitskreises für Kirchengeschichte der Evangelischen Kirche der Kirchenprovinz Sachsen, aus dem er hervorging.
Sein Ziel ist es, die Erforschung der regionalen und lokalen Kirchengeschichte und den Austausch zwischen den Forschenden und allen historisch Interessierten anzuregen und zu fördern. Er versteht sich als Bindeglied zwischen der professionellen historischen und theologischen Forschung und den Laien, die sich für die Kirchengeschichte ihres Umfelds interessieren.
Dazu veranstaltet der Verein regelmäßig Tagungen mit Vorträgen und Exkursionen und gibt Publikationen heraus; er bietet seinen Mitgliedern einen Rahmen für weitergehende Vorhaben, etwa Ortschroniken und Pfarrgeschichten.
Er ist mit der Landeskirche verbunden, steht aber unabhängig von Konfession und Kirchenzugehörigkeit allen Interessierten offen und beschäftigt sich mit der Kirchengeschichte vom Mittelalter bis zur Gegenwart, mit der äußeren Geschichte wie mit der Theologiegeschichte.
Wie regionale Kirchengeschichte arbeitet
Kirchengeschichtsvereine gibt es in fast allen Landeskirchen, und sie ähneln einander in den Arbeitsformen: Jahrestagung, Vortragsreihe, Exkursion, Jahrbuch. Der Grund liegt im Gegenstand. Regionale Kirchengeschichte entsteht nicht an einem Lehrstuhl allein, sondern dort, wo jemand die Akten einer einzelnen Gemeinde vollständig durchsieht, und das sind meist Ortskundige.
Die Quellen dafür liegen verstreut. Pfarrarchive und Kirchenkreisakten verwahrt das Landeskirchenarchiv in Magdeburg, staatliches Schriftgut die Landesarchive in Sachsen-Anhalt und Thüringen, kommunales die Stadt- und Kreisarchive; gedruckte Überlieferung steht in Kirchenbibliotheken wie der Marienbibliothek in Halle.
Besonders ergiebig sind Visitationsakten. Eine Visitation prüfte in regelmäßigen Abständen Gebäude, Pfarrstelle, Schule, Vermögen und Gemeindeleben und hinterließ dabei Beschreibungen, die es sonst nirgends gibt. Wer wissen will, wie es in einem Dorf im 17. oder 18. Jahrhundert zuging, findet dort oft die dichteste Auskunft.
Warum Ortsgeschichte zählt
Die Kenntnis der Vergangenheit vor Ort, der Wurzeln und Traditionen, hilft nach dem Verständnis des Vereins, die Gegenwart besser zu verstehen und verantwortlich für die Zukunft zu entscheiden.
Für die Familienforschung ist die Vereinsarbeit eine Fundgrube: Pfarrgeschichten, Kirchenbuchauswertungen und Visitationsakten, die in den Tagungsbänden erschlossen werden, zeigen, wer wann in welcher Gemeinde wirkte. Wer Lebensdaten von Pfarrern sucht, greift zum Pfarrerbuch der Kirchenprovinz Sachsen.
Wer die Kirchenbücher selbst lesen will, folgt der Seite Kirchenbücher; die Grundsätze der genealogischen Recherche und die Grenze des Jahres 1874 erklärt die Seite Familienforschung. Die Bestände des Vereins und seiner Vorgänger liegen im Landeskirchenarchiv Magdeburg.
Der Einstieg für eine eigene Ortsgeschichte
Am Anfang steht die Zuordnung. Das Verzeichnis der Gemeinden nennt zu jedem Ort den Kirchenkreis und den Pfarrort, unter dem die Bücher geführt wurden; die Übersicht der Kirchenkreise zeigt den Zuschnitt um 2004, nach dem die Bestände bis heute geordnet sind.
Danach folgt die Frage nach dem Bauwerk. Viele Kirchen der Region sind Denkmale mit eigener Literatur; die Karte der Kirchen und Orte verzeichnet die Stationen der Straße der Romanik, die Dome und die Lutherstätten. Ein Beispiel dafür, wie ein Ort seine Kirche erforscht und erhält, ist die Dorfkirche Dehlitz an der Saale.
Was von einer solchen Arbeit bleibt, hängt an der Quellenangabe. Wer notiert, aus welchem Bestand, welcher Akte und welchem Blatt eine Angabe stammt, macht sie nachprüfbar; wer es unterlässt, produziert eine Erzählung, die niemand weiterverwenden kann. Wie dieses Verzeichnis seine eigenen Angaben belegt, steht unter Quellen.