Innenraum der Dorfkirche Großkühnau mit Bankreihen, bunten Glasfenstern, hölzerner Kanzel und der Empore auf schlanken Säulen.
Rat · GemeindebüroKirchensoftware

Kirchensoftware Vergleichstabelle: fünf Anbieter nebeneinander

Fünf Systeme, acht Kriterien, keine Preise: Die Tabelle stellt ChurchTools, ChurchDesk, Planning Center, Elvanto und DonorWerx so nebeneinander, wie ein Gemeindekirchenrat sie vergleichen muss, bevor er ein Angebot einholt. Die ausführliche Besprechung der Anbieter steht im Beitrag Kirchensoftware im Vergleich.

Fünf Anbieter von Software für die Gemeindeverwaltung nach den Angaben der Anbieter, Stand September 2026
KriteriumChurchToolsChurchDeskPlanning CenterElvantoDonorWerx
HerkunftKarlsruhe, DeutschlandKopenhagen, Dänemark; Büro in BerlinCarlsbad, KalifornienAustralien; Teil der Tithe.ly-GruppeUSA
Sprache der OberflächeDeutsch, EnglischDeutsch, Englisch, DänischEnglischEnglischEnglisch
BereitstellungCloud oder eigener ServerCloudCloudCloudCloud
KernmodulePersonen, Gruppen, Kalender, Ressourcen, Dienstplanung, FinanzenMitglieder, Kalender, Gruppen, Formulare, Website, SpendenPeople, Services, Groups, Check-Ins, Registrations, Calendar, GivingPersonen, Dienstpläne, Gruppen, Formulare, KalenderSpendenverwaltung, Spenderkommunikation, Aktionen
Website-Modulnein, Einbettung per Widgetja, eigener Baukastennein, Church-Center-Appneinnein
Typische NutzerFreikirchen und landeskirchliche Gemeinden im deutschsprachigen RaumLandeskirchen, Diözesen und Pfarreien in Nordeuropa und DeutschlandFreikirchen in den USAenglischsprachige FreikirchenSpendenteams in US-Gemeinden
Preismodellmonatliche Staffel nach Personenzahlmonatliche Staffel nach GemeindegrößeModule einzeln in US-Dollar, Basismodul People kostenlosmonatliche Staffel nach Personenzahlauf Anfrage
DatenrahmenServer in Deutschland, AuftragsverarbeitungsvertragServer in der EU, AuftragsverarbeitungsvertragServer in den USAServer außerhalb der EUServer in den USA

Wie die Tabelle zu lesen ist

Die Zeile, die am Ende entscheidet, steht ganz unten. Wo die Server stehen und ob der Anbieter einen Auftragsverarbeitungsvertrag nach kirchlichem Recht unterschreibt, sortiert die fünf Systeme schneller als jede Funktionsliste.

Für evangelische Gemeinden gilt nicht die Datenschutz-Grundverordnung, sondern das Kirchengesetz über den Datenschutz der EKD (DSG-EKD); es verlangt für jede Verarbeitung durch Dritte einen Vertrag und eine Prüfung durch den Datenschutzbeauftragten der Landeskirche.

Die Zeile Kernmodule zeigt, dass sich die Systeme im Kern ähneln: Personen, Gruppen, Termine, Dienste. Der Unterschied liegt in dem, was drum herum gebaut ist. ChurchDesk liefert die Gemeindewebsite gleich mit, ChurchTools lässt sich auf einem eigenen Server betreiben, Planning Center ist ein Baukasten aus einzeln bezahlten Modulen. DonorWerx fällt aus der Reihe: Es verwaltet Spender und Spendenaktionen, aber keine Gemeinde.

Meldewesen, DSG-EKD, Pfarrbereich: was in der EKM zählt

In der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland kommen die Mitgliederdaten aus dem kirchlichen Meldewesen, das an die kommunalen Meldebehörden angeschlossen ist. Zuzug, Wegzug, Taufe, Austritt: All das erreicht die Gemeinde über diesen Weg, nicht über eine Software, die sie selbst pflegt. Ein System, das eigene Stammdaten verlangt, erzeugt deshalb doppelte Arbeit. Brauchbar ist, was Listen aus dem Meldewesen importieren und regelmäßig abgleichen kann.

Der zweite Punkt ist der Pfarrbereich. Seit den Strukturreformen der Jahre nach 2004 betreut ein Pfarramt in Sachsen-Anhalt oft acht, zwölf oder mehr Dörfer; das Verzeichnis der Gemeinden zeigt, wie viele Orte auf einen Pfarrort entfallen.

Eine Software muss also mehrere Gemeinden unter einem Zugang führen, mit getrennten Kalendern und Rechten für die Ehrenamtlichen jedes Dorfes. Das können ChurchTools und ChurchDesk; die amerikanischen Systeme kennen die Mehrgemeinde-Struktur nur als Ausnahme.

Drittens die Sprache. Kirchenälteste in einem Dorf im Kirchenkreis Egeln werden keine englische Oberfläche bedienen, so schlicht sie sein mag. Das klingt banal, entscheidet aber darüber, ob eine Software nach einem Jahr noch benutzt wird oder nur noch vom Kirchenbüro.

Welcher Anbieter zu welcher Gemeinde passt

Für eine landeskirchliche Gemeinde oder einen Pfarrbereich in der EKM bleiben zwei Kandidaten: ChurchDesk, wenn die Gemeinde zugleich eine Website braucht und die Verwaltung im Kirchenbüro liegt, und ChurchTools, wenn viele Ehrenamtliche Dienste und Gruppen selbst planen sollen oder der Kirchenkreis einen eigenen Server betreiben will.

Planning Center und Elvanto sind gute Systeme für englischsprachige Freikirchen und für nichts anderes. DonorWerx gehört nicht in diese Auswahl, es löst eine andere Aufgabe.

Wer zwischen den beiden deutschsprachigen Systemen schwankt, sollte eine Woche lang das Kirchenbüro beobachten: Werden dort Anfragen zu Terminen und Räumen beantwortet, spricht das für ChurchTools; werden dort Gemeindebriefe und Website gepflegt, für ChurchDesk.

Was die Tabelle nicht zeigt

Kirchenbücher gehören nicht in diese Systeme. Taufen, Trauungen und Bestattungen werden in den Landeskirchen weiter in gebundenen Büchern und in eigenen Kirchenbuchprogrammen geführt; die Verfilmung und Digitalisierung der Altbestände ist Sache der Archive, beschrieben auf der Seite Kirchenbücher. Wer eine Gemeindeverwaltung einführt, sollte das Kirchenbuch also nicht mitdenken, sondern ausdrücklich draußen lassen.

Nicht in der Tabelle steht auch, wie lange ein Anbieter am Markt ist und wer ihn trägt. Elvanto ist seit der Übernahme durch Tithe.ly Teil eines größeren Konzerns, ChurchTools wird von einem Karlsruher Unternehmen entwickelt, ChurchDesk von einem dänischen.

Das sagt nichts über die Qualität, aber etwas darüber, in welcher Zeitzone der Support sitzt, wenn am Sonntagmorgen um acht der Gottesdienstplan nicht lädt.

Häufige Fragen

Welche Kirchensoftware passt zu einer Kirchengemeinde der EKM?

Für eine landeskirchliche Gemeinde in Sachsen-Anhalt oder Thüringen kommen praktisch nur ChurchTools und ChurchDesk in Frage: deutsche Oberfläche, Server in Deutschland oder der EU und ein Auftragsverarbeitungsvertrag, den der Datenschutzbeauftragte der Landeskirche akzeptiert. Die drei englischsprachigen Anbieter sind für Freikirchen gebaut.

Ersetzt Kirchensoftware das kirchliche Meldewesen?

Nein. Die Mitgliederdaten einer evangelischen Gemeinde kommen aus dem Meldewesen der Landeskirche, das an die staatlichen Meldebehörden angebunden ist. Kirchensoftware ergänzt das um Gruppen, Termine, Dienste und Spenden; die Stammdaten werden importiert oder abgeglichen, nicht neu erfasst.

Braucht eine kleine Dorfgemeinde überhaupt eine Gemeindeverwaltungssoftware?

Nicht zwingend. Solange das Pfarramt Termine, Räume und Gruppen mit Kalender und Meldewesen überblickt, bringt ein System vor allem Pflegeaufwand. Der Umstieg lohnt sich, wenn mehrere Orte eines Pfarrbereichs gemeinsam planen, wenn Ehrenamtliche Dienste selbst eintragen sollen oder wenn Spenden und Kollekten quittiert und ausgewertet werden müssen. Entscheidend ist also die Zahl der Beteiligten, nicht die Zahl der Gemeindeglieder.

Warum stehen in der Tabelle keine Preise?

Alle fünf Anbieter staffeln nach Gemeindegröße, Modulen oder Nutzerzahl und ändern die Staffeln regelmäßig. Eine Zahl wäre in wenigen Monaten falsch. Verlässlich ist nur ein Angebot des Anbieters für die eigene Gemeinde; die Spalte nennt deshalb das Modell, nicht den Betrag.

Titelbild: Dorfkirche Großkühnau, Dessau-Roßlau – Innenraum – Falk2, CC BY-SA 4.0, über Wikimedia Commons.