Aufgeschlagenes Gesangbuch von 1887 aus der Kirche St. Pankratius in Rothenschirmbach: rechts die Goldprägung Selig sind, die reines Herzens sind, links getrocknete Margeriten als Kreuz gelegt.
Rat · RechtLexikon

Kirchen-ABC: die Begriffe des Gemeindelebens von A bis W

· Stand 18. September 2026

Das Kirchen-ABC stand ursprünglich als Lexikon für Einsteiger im Netz: kurze Erklärungen zu Begriffen, die in Gemeindebriefen, Gottesdiensten und Gesprächen mit dem Pfarramt vorkommen. Die Liste wird hier mit knappen Definitionen geführt; die Begriffe gelten für die evangelische Kirche in Deutschland, Besonderheiten anderer Konfessionen sind vermerkt.

A bis E

Abendmahl. Das Mahl aus Brot und Wein, das Jesus am Abend vor seinem Tod mit den Jüngern hielt und zu dessen Wiederholung er aufforderte. Neben der Taufe eines der beiden evangelischen Sakramente; in den meisten Gemeinden sind alle Getauften eingeladen, Kinder nach Absprache.

Advent. Die vier Sonntage vor Weihnachten, Zeit der Erwartung und Beginn des Kirchenjahres. Das Wort kommt vom lateinischen adventus, Ankunft.

Adventskranz. Kranz aus Tannengrün mit vier Kerzen, an jedem Adventssonntag eine mehr. Erfunden hat ihn 1839 Johann Hinrich Wichern im Rauhen Haus in Hamburg, damals mit 24 Kerzen für jeden Tag.

Beichte. Das Bekenntnis von Schuld vor Gott, in der evangelischen Kirche meist gemeinsam im Gottesdienst vor dem Abendmahl, auf Wunsch auch im Einzelgespräch mit der Pfarrerin oder dem Pfarrer, das dem Beichtgeheimnis unterliegt.

Bibel. Die Sammlung der Schriften des Alten und Neuen Testaments, Grundlage des christlichen Glaubens. Die evangelische Kirche benutzt die Übersetzung Martin Luthers in der Revision von 2017.

Brot für die Welt. Das Hilfswerk der evangelischen Kirchen und Freikirchen, gegründet 1959, gesammelt wird traditionell im Advent und an Weihnachten.

Buß- und Bettag. Der Mittwoch vor dem Ewigkeitssonntag, ein Tag der Besinnung und Umkehr. Gesetzlicher Feiertag ist er seit 1995 nur noch in Sachsen.

Christstollen. Das Weihnachtsgebäck, dessen Form an das gewickelte Christkind erinnern soll; in Mitteldeutschland gehört der Dresdner Stollen zur Adventszeit wie der Kranz.

Christusmonogramm. Das Zeichen aus den griechischen Buchstaben Chi und Rho, den Anfangsbuchstaben von Christus, oft auf Altartüchern, Kerzen und Gemeindebriefen.

Epiphanias. Der 6. Januar, Fest der Erscheinung des Herrn, an dem der Besuch der Weisen aus dem Morgenland gefeiert wird; in der katholischen Kirche Heilige Drei Könige.

Erntedankfest. Der erste Sonntag im Oktober, an dem der Altar mit Früchten und Brot geschmückt und für die Ernte gedankt wird.

Evangelium. Griechisch für gute Nachricht: die Botschaft von Jesus Christus und die vier Bücher, die von ihm erzählen. Die Predigt im Gottesdienst legt in der Regel einen Evangeliums- oder Brieftext aus.

Ewigkeitssonntag. Der letzte Sonntag des Kirchenjahres, auch Totensonntag, an dem der Verstorbenen des Jahres gedacht wird, oft mit Verlesung der Namen.

F bis K

Friedensdekade. Die zehn Tage vor dem Buß- und Bettag mit Friedensgebeten, entstanden 1980 in den Kirchen der DDR unter dem Motto Frieden schaffen ohne Waffen.

Fürbittengebet. Das Gebet im Gottesdienst für andere: für Kranke, Trauernde, Regierende, die Welt. Die Gemeinde antwortet meist mit einem gesungenen Ruf.

Gebote. Die Zehn Gebote aus dem 2. Buch Mose, in Luthers Kleinem Katechismus für den Unterricht ausgelegt.

Glaubensbekenntnis. Der gemeinsam gesprochene Text, in dem die Gemeinde ihren Glauben zusammenfasst, im Gottesdienst meist das Apostolische Glaubensbekenntnis.

Gottesdienst. Die Versammlung der Gemeinde mit Gebet, Lied, Schriftlesung, Predigt und Segen, sonntags in der Regel am Vormittag. Die evangelische Ordnung folgt dem Evangelischen Gottesdienstbuch, lässt den Gemeinden aber Freiheit.

Gründonnerstag. Der Donnerstag vor Ostern, Gedenktag des letzten Abendmahls Jesu; das Grün geht wohl auf das mittelhochdeutsche greinen, weinen, zurück.

Heiliger Abend. Der 24. Dezember mit Christvesper, Krippenspiel und Christnacht, der meistbesuchte Gottesdiensttag des Jahres.

Himmelfahrt. Der Donnerstag vierzig Tage nach Ostern, Fest der Aufnahme Jesu in den Himmel, gesetzlicher Feiertag.

Jahreslosung. Der Bibelvers, der ein ganzes Jahr als Leitwort begleitet, ausgewählt von der Ökumenischen Arbeitsgemeinschaft für Bibellesen.

Karfreitag. Der Todestag Jesu, stiller Feiertag; in vielen Gemeinden schweigen die Glocken und die Orgel, Gottesdienst ist um 15 Uhr, zur Sterbestunde.

Karsamstag. Der Tag der Grabesruhe zwischen Karfreitag und Ostern, an dem in vielen Gemeinden die Osternacht beginnt.

Karwoche. Die Woche von Palmsonntag bis Karsamstag, stille Woche vor Ostern.

Kircheneintritt. Der Weg in die Kirche durch Taufe, Aufnahme oder Wiederaufnahme, beschrieben auf der Seite Kircheneintritt.

Kirchenjahr. Die Ordnung der Sonn- und Feiertage vom ersten Advent bis zum Ewigkeitssonntag mit den Festkreisen Weihnachten, Ostern und Trinitatis.

Konfirmation. Die Feier, mit der Jugendliche um das vierzehnte Lebensjahr ihre Taufe bestätigen und religionsmündig werden, nach ein bis zwei Jahren Unterricht.

O bis W

Osterkreis. Die Zeit von Aschermittwoch bis Pfingsten mit Passionszeit, Ostern und den fünfzig Tagen bis Pfingsten.

Ostern. Das Fest der Auferstehung Jesu, das höchste Fest der Christenheit, am ersten Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond.

Palmsonntag. Der Sonntag vor Ostern, Gedenktag des Einzugs Jesu in Jerusalem.

Passionszeit. Die sieben Wochen vor Ostern, Fastenzeit, die mit dem Aschermittwoch beginnt; die Aktion Sieben Wochen ohne lädt zum Verzicht ein.

Pate, Patenamt. Die Begleitung eines Täuflings im Glauben, übernommen von Kirchenmitgliedern; mindestens ein Pate muss evangelisch sein, weitere können anderen christlichen Kirchen angehören.

Pfingsten. Das Fest der Ausgießung des Heiligen Geistes fünfzig Tage nach Ostern, Geburtstag der Kirche.

Reformationstag. Der 31. Oktober, Gedenktag des Thesenanschlags von 1517 in Wittenberg, gesetzlicher Feiertag in Sachsen-Anhalt und Thüringen wie in allen östlichen und mehreren nördlichen Bundesländern.

Sakramente. Die heiligen Handlungen, die Jesus eingesetzt hat: in der evangelischen Kirche Taufe und Abendmahl.

Sonntag. Der wöchentliche Feiertag der Christen als Tag der Auferstehung, in Deutschland durch das Grundgesetz als Tag der Arbeitsruhe geschützt.

Taufe. Die Aufnahme in die Kirche mit Wasser im Namen des dreieinigen Gottes, meist im Säuglingsalter, in der evangelischen Kirche über alle Konfessionen hinweg anerkannt.

Trinitatiszeit. Die lange Zeit zwischen dem Sonntag Trinitatis nach Pfingsten und dem Ewigkeitssonntag, bis zu 24 Sonntage ohne große Feste.

Vaterunser. Das Gebet, das Jesus seine Jünger lehrte, gemeinsam gesprochen in jedem Gottesdienst.

Weihnachten. Das Fest der Geburt Jesu am 25. Dezember mit dem Heiligen Abend davor und dem zweiten Feiertag danach.

Weihnachtsbaum. Der geschmückte Nadelbaum, seit dem 16. Jahrhundert aus dem Elsass und Oberrhein belegt, im 19. Jahrhundert über die evangelischen Länder verbreitet.

Weihnachtsfestkreis. Die Zeit vom ersten Advent bis Epiphanias, in vielen Gemeinden bis zum letzten Sonntag nach Epiphanias.

Ökumenischer Gottesdienst. Ein Gottesdienst, den Gemeinden verschiedener Konfessionen gemeinsam feiern, etwa zur Gebetswoche für die Einheit der Christen im Januar oder zu Stadtfesten.

Ökumenischer Kirchentag. Das gemeinsame Treffen von evangelischen und katholischen Christen, erstmals 2003 in Berlin, 2010 in München und 2021 in Frankfurt.

Häufige Fragen

Wann beginnt das Kirchenjahr?

Mit dem ersten Advent, dem vierten Sonntag vor dem Heiligen Abend, also Ende November oder Anfang Dezember. Es endet mit dem Ewigkeitssonntag, dem letzten Sonntag vor dem ersten Advent.

Was unterscheidet Sakrament und Gottesdienstfeier?

Die evangelische Kirche kennt zwei Sakramente, Taufe und Abendmahl, weil nur für sie eine Einsetzung durch Jesus überliefert ist. Konfirmation, Trauung, Beichte und Bestattung sind kirchliche Handlungen mit Segen, aber keine Sakramente.

Was ist die Jahreslosung?

Ein Bibelvers, der für ein ganzes Jahr als Leitwort gilt. Die Ökumenische Arbeitsgemeinschaft für Bibellesen wählt ihn Jahre im Voraus aus; Gemeinden drucken ihn auf Gemeindebriefe, Plakate und Kalender.

Titelbild: Gesangbuch von 1887 aus Rothenschirmbach – Dguendel, CC BY 3.0, über Wikimedia Commons.