Kirchenkreis Torgau-Delitzsch: Gemeinden und Pfarrorte
Zum Kirchenkreis Torgau-Delitzsch gehörten um 2004 genau 115 Kirchengemeinden mit Pfarrämtern in 26 Orten. Das Gebiet liegt beiderseits der Elbe um Torgau und Belgern sowie nördlich von Leipzig um Delitzsch, Eilenburg und Bad Düben, heute sämtlich in Sachsen. Die Tabelle nennt zu jeder Gemeinde den zuständigen Pfarrort und verweist auf ihren Eintrag.
Elbe, Dübener Heide und das Delitzscher Land
Zwei Teilräume treffen hier aufeinander. Um Torgau, Belgern, Arzberg und Dommitzsch bestimmt die Elbe mit ihren Auen das Bild; westlich davon schließen Delitzsch, Krostitz, Zschortau und Zwochau die flache Ackerlandschaft nördlich von Leipzig an, und dazwischen liegen mit Bad Düben, Authausen und Kossa die Kiefernwälder der Dübener Heide. Die Grenze zwischen Aue, Heide und Ackerland verlief mitten durch den Kirchenkreis.
Der Kirchenkreis ist der einzige im Verzeichnis, dessen Pfarrorte durchweg Postleitzahlen mit der Anfangsziffer 04 tragen. Er lag damit auf Gebiet, das heute zu Sachsen gehört, kirchlich aber zur Kirchenprovinz Sachsen zählte, deren Grenzen aus den preußischen Verwaltungsgrenzen des 19. Jahrhunderts hervorgingen und den heutigen Ländergrenzen nicht folgen. Kirchliche und weltliche Zuständigkeit decken sich in dieser Gegend bis heute nicht.
Mit 115 Gemeinden lag Torgau-Delitzsch im oberen Drittel der zwanzig Kirchenkreise, deutlich hinter Stendal mit 221, aber weit vor Magdeburg mit 23 und dem Reformierten Kirchenkreis mit fünf. Auf jeden der 26 Pfarrorte entfielen im Schnitt vier bis fünf Gemeinden, spürbar weniger als in den Kreisen der Altmark. Die Dörfer sind hier etwas größer und liegen weiter auseinander.
Pfarrorte im Kirchenkreis Torgau-Delitzsch
- Arzberg
- Audenhain
- Authausen
- Bad Düben
- Beilrode
- Belgern
- Delitzsch
- Doberschütz
- Dommitzsch
- Eilenburg
- Kossa
- Krippehna
- Krostitz
- Löbnitz
- Neukyhna
- Pflückuff
- Pristäblich
- Schenkenberg
- Sitzenroda
- Süptitz
- Torgau
- Weltewitz
- Zinna
- Zschepplin
- Zschortau
- Zwochau
Ein Pfarramt versorgte hier selten nur sein eigenes Dorf. Dommitzsch erscheint bei neun Gemeinden als Pfarrort, Torgau, Doberschütz, Zschortau, Schenkenberg und Zwochau bei je sieben. Behlitz gehörte zum Pfarramt Krostitz, Wolteritz zu Zschortau, Greudnitz zu Dommitzsch, Niederglaucha zu Zschepplin; aus dem Dorfnamen allein lässt sich der Amtssitz nicht erschließen. Erst die Tabelle stellt die Verbindung zwischen Dorf und Amt her.
Ein Kirchspiel ist der Verband mehrerer Dörfer unter einem Pfarramt, und viele Gemeindenamen im Register tragen ihn als Zusatz, etwa das Kirchspiel Beilrode-Arzberg, das Kirchspiel Sprotta oder das Kirchspiel Staritz. Für Archivrecherchen ist dieser Verbandsname oft der bessere Suchbegriff, weil Bestände und Filme nach Kirchspielen gebildet und benannt wurden. Unter dem Dorfnamen allein findet sich der Band häufig nicht.
Der Bestand an Gemeinden blieb über lange Zeit stabil, die Zahl der tatsächlich besetzten Pfarrstellen dagegen nicht. Was die Tabelle zeigt, ist deshalb eine Momentaufnahme: die Zuordnung, wie sie um 2004 galt. Ältere Verzeichnisse aus dem 19. Jahrhundert nennen für dieselben Dörfer teilweise andere und näher gelegene Amtssitze. Für frühe Jahrgänge lohnt deshalb ein Blick in ältere Ortsverzeichnisse.
Kirchenbücher aus dem Torgauer und Delitzscher Raum
Auch für diesen Kirchenkreis gilt die Regel der Kirchenprovinz: Die Originale blieben bei den Pfarrämtern, das Landeskirchenarchiv in Magdeburg verwahrt die Mikrofilme, und die Einsicht in diese Filme ist dort nach Anmeldung im Lesesaal möglich. Ein Teil der Bestände ist zusätzlich über das Kirchenbuchportal Archion online einsehbar. Die Filme werden im Lesesaal anstelle der Originale vorgelegt.
Das Gebiet kam im 19. Jahrhundert zu Preußen; die Kirchenordnung folgte dieser Grenze. Weil die Orte heute zu Sachsen gehören, wird das kirchliche Schriftgut gelegentlich in Dresden oder Leipzig vermutet. Für die Zeit der Kirchenprovinz ist jedoch Magdeburg der richtige Ort. Wie man vom Wohnort über den Pfarrort zum einzelnen Band kommt, ist auf der Seite Kirchenbücher Schritt für Schritt beschrieben.
Stand 2004: was die Liste leistet und was nicht
Die Angaben geben den Zustand vor der Bildung der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland am 1. Januar 2009 wieder. Danach wurden Kirchenkreise zusammengelegt und umbenannt, Pfarrstellen zu Pfarrbereichen gebündelt. Für aktuelle Ansprechpartner ist deshalb der heutige Kirchenkreis zuständig; für die Arbeit in Archiven und Findbüchern bleibt der ältere Zuschnitt maßgeblich. Namen und Grenzen von damals stehen in den Quellen weiter.
Zu jeder Gemeinde stehen hier vier Angaben: Name, Kirchenkreis, Pfarrort und die Postleitzahl des Pfarrorts. Anschriften, Telefonnummern oder Namen von Geistlichen werden nicht geführt, weil sie veralten und weil die Zuordnung zum Kirchspiel alles ist, was eine Recherche braucht. Alle Gemeinden zusammen zeigt die Seite Gemeinden. Mehr braucht der erste Schritt einer Recherche nicht.