Luftbild der Wallonerkirche in Magdeburg mit grün patiniertem Kupferdach, hohem Bruchsteinschiff und schlankem Turm, dahinter die Elbe und die Stadt.
Verzeichnis · Kirchenkreis5 Gemeinden

Kirchenkreis Ref.Kirchenkreis: Gemeinden und Pfarrorte

Der Reformierte Kirchenkreis war der kleinste der zwanzig und zugleich der einzige, der kein zusammenhängendes Gebiet abdeckte: Seine fünf Kirchengemeinden lagen verstreut in Halle, Magdeburg, Halberstadt, Burg und Aschersleben. Er fasste die reformierten Gemeinden der Kirchenprovinz Sachsen zusammen, unabhängig davon, in welcher Landschaft sie lagen. Die Tabelle führt die fünf Gemeinden mit ihren Pfarrorten auf.

Fünf Gemeinden, vier Städte, kein Gebiet

Ein Kirchenkreis ist sonst ein Stück Land mit allen Gemeinden darin; dieser hier war eine Verbindung nach Bekenntnis. Die Pfarrorte liegen in Halle mit der Postleitzahl 06108, in Halberstadt mit 38820, in Burg mit 39288 und in Magdeburg mit 39116, also über das ganze Gebiet der Kirchenprovinz verteilt. Das Bekenntnis und nicht die Landschaft war hier das Ordnungsprinzip.

Die reformierten Gemeinden Mitteldeutschlands gehen überwiegend auf Zuwanderung im 17. und 18. Jahrhundert zurück. Brandenburgisch-preußische Landesherren nahmen Glaubensflüchtlinge aus Frankreich, den Niederlanden und der Pfalz auf, die ihre eigene, von der lutherischen unterschiedene Ordnung mitbrachten und in den Städten eigene Gemeinden gründeten. Über Generationen blieben diese Gemeinden eigenständig und behielten ihre eigene gottesdienstliche Ordnung bei.

Mit fünf Gemeinden bildet dieser Kirchenkreis das eine Ende der Skala, der Kirchenkreis Stendal mit 221 Gemeinden das andere. Zwischen beiden liegt das ganze Verzeichnis mit 1.949 Gemeinden in zwanzig Kirchenkreisen. Die Spanne zeigt, dass ein Kirchenkreis nach sehr unterschiedlichen Gesichtspunkten gebildet werden konnte. Die Zahl allein sagt über das Gewicht einer Gemeinde wenig aus.

Nr.GemeindePfarrort
1Aschersleben, Ev.-reformierte GemeindeHalle
2Burg, St. PetriBurg
3Halberstadt, Zu Unser lieben FrauenHalberstadt
4Halle, Ev.reformierte DomgemeindeHalle (Saale)
5Magdeburg, Evang.-reformierte GemeindeMagdeburg

Pfarrorte im Kirchenkreis Ref.Kirchenkreis

Fünf Gemeinden und fünf Pfarrorte bedeuten, dass jede Gemeinde ihr eigenes Amt hatte; in keinem anderen Kirchenkreis des Verzeichnisses trifft das zu. Das Register führt die Evangelisch-reformierte Domgemeinde in Halle, die Gemeinde St. Petri in Burg, die Gemeinde Zu Unser lieben Frauen in Halberstadt und die reformierten Gemeinden in Magdeburg und Aschersleben. Alle fünf Gemeinden liegen in Städten.

Die Gemeinde in Aschersleben wurde vom Pfarramt in Halle aus betreut, alle übrigen von einem Amt am eigenen Ort. Diese Zuordnung steht in der dritten Spalte der Tabelle. Sie ist auch hier der entscheidende Wert, weil die Bücher beim Amt geführt wurden und nicht am Wohnort der Mitglieder. Die Bücher liegen also jeweils am Sitz des Amtes.

Reformierte Gemeinden waren in dieser Gegend stets Minderheitsgemeinden neben einer lutherischen Mehrheit, und ihr Einzugsbereich reichte entsprechend weit über die Stadt hinaus. Wer einen reformierten Vorfahren vermutet, sucht deshalb nicht im Dorfkirchspiel, sondern in der nächstgelegenen Stadtgemeinde dieses Kirchenkreises. Die Bücher sind dementsprechend weniger zahlreich, aber weiter ausgreifend. Der Weg führt hier von der Stadt aus in die Fläche.

Kirchenbücher reformierter Gemeinden

Für die Bestände gilt dieselbe Ordnung wie in den übrigen Kirchenkreisen: Die Originale blieben bei den Pfarrämtern, verfilmt sind sie im Landeskirchenarchiv am Standort Magdeburg, das die Filme nach Terminvergabe im Lesesaal vorlegt. Nicht alle Kirchenkreise sind bislang im Kirchenbuchportal eingestellt, weshalb sich ein Blick in dessen Übersicht lohnt. Die Einsicht setzt einen Termin und einen Benutzerantrag voraus.

Ein Punkt unterscheidet diese Suche von allen anderen im Verzeichnis. Weil es nur fünf Gemeinden sind, ist der Bestand überschaubar; schwieriger ist die Frage, ob ein Vorfahr überhaupt reformiert war. Hinweise geben Taufpaten, Heiratsorte und die Zugehörigkeit zu Handwerker- oder Kaufmannsfamilien mit westlicher Herkunft. Den allgemeinen Weg zum Eintrag beschreibt die Seite Kirchenbücher.

Der Stand von 2004 und was danach kam

Mit der Bildung der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland am 1. Januar 2009 wurde die mittlere Ebene neu geordnet, und die Zahl der Kirchenkreise ging deutlich zurück. Dieses Verzeichnis hält den Stand von 2004 fest, weil Findbücher, Amtsblätter bis 2008 und die Ordnung der verfilmten Bände diesem älteren Zuschnitt folgen. Der alte Name bleibt der richtige Suchbegriff.

Die Angaben bleiben bewusst knapp. Ein Eintrag nennt Gemeindename, Kirchenkreis, Pfarrort und dessen Postleitzahl und verzichtet auf alles Weitere. Anschriften, Rufnummern und die Namen von Geistlichen werden nicht geführt, weil sie sich seit 2004 geändert haben und für Ortsgeschichte und Familienforschung keine Rolle spielen. Die Gesamtliste aller Orte steht auf der Seite Gemeinden.

Titelbild: Wallonerkirche (wallonisch-reformiert), Magdeburg – Gregor Rom, CC BY-SA 4.0, über Wikimedia Commons.