Die Dorfkirche von Dehlitz an der Saale mit verputztem Schiff, rotem Ziegeldach und schmiedeeisernem Zaun, dahinter Gehöfte.
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Die Dorfkirche Dehlitz an der Saale: Verlust und Wiederaufbau

· Stand 18. September 2026

Die Kirche in Dehlitz an der Saale bildete ursprünglich mit dem Rittergut eine Einheit: eine Patronatskirche, vom Gutsherrn unterhalten, den Gutsbesitzern und den Dorfbewohnern als Gotteshaus dienend. Ihre Geschichte ist die vieler mitteldeutscher Dorfkirchen im 20. Jahrhundert, mit einem seltenen Ausgang: Was 1973 abgebrochen wurde, holt seit 2000 ein Verein aus dem Dorf Stück für Stück zurück.

Baugeschichte

Um 1500 entstand eine spätgotische Kapelle St. Marien. 1594 wurde im Gefolge der Reformation das Klarissenkloster in Weißenfels aufgelöst; ein gotischer Altar aus dem Kloster kam durch den Amtshauptmann Johann von Wolffersdorff in die Dehlitzer Kirche.

1596 ließ Wolffersdorff den Bau erweitern: Kirchenschiff mit Turm und ein Anbau südlich des Chores als Grablege. 1613 errichtete sein Sohn Georg das Epitaph für die Eltern. Um 1650 folgte die Patronatsloge an der Nordostseite mit einer aufwendigen Sandsteinfassade zum Kirchenschiff.

Die große Sandsteinkanzel vom Anfang des 16. Jahrhunderts trägt an der Brüstung Reliefs Christi und der vier Evangelisten und dazwischen vier Apostelstatuetten. Im Westen stand eine dreiseitige Holzempore mit der Orgel.

Um 1740 kam der barocke Altar mit dem Abendmahlsgemälde des Italieners Giovanni Antonio Guardi hinzu, ein Auftrag des Feldmarschalls Johann Matthias Graf von der Schulenburg, der im Dienst der Republik Venedig stand. Der gotische Altar wanderte vermutlich in die Kirche Treben im Nachbarort Lösau.

1845 wurden drei Glocken aus der Gießerei Ulrich in Laucha geweiht; sie mussten zu Beginn des Ersten Weltkriegs abgegeben werden, 1924 stiftete das Dorf drei neue aus Eisenhartguss der Firma Schilling und Lattermann in Apolda.

Verfall und Abbruch

Nach der Bodenreform fehlte der Patron, nach dem Krieg das Geld. 1952 wurden die Kriegsschäden an Dach und Turm repariert und das Dach neu gedeckt; bei dieser Gelegenheit wurde die Gruft entfernt und verfüllt. In den folgenden zwanzig Jahren traten wegen mangelnden Unterhalts neue Schäden auf.

1971 wurde das Altarbild aus konservatorischen und Sicherheitsgründen entfernt und dem Institut für Denkmalpflege in Halle übergeben. 1973 fiel die Entscheidung, Kirchenschiff und Turm abzubrechen, um wenigstens den Chorraum mit der wertvollen Ausstattung zu retten.

Verloren gingen die Orgel, eine Schleifladenorgel mit seltenen Zimbelsternen von 1727, deren Untermanual von 1649 und Obermanual von 1737 stammten, und die Holzempore. Die Glocken kamen 1984 in ein provisorisches Gerüst auf dem Turmfundament.

Eine 1978 begonnene Sanierung des Innenraums blieb aus wirtschaftlichen Gründen unvollendet; die Altarrestaurierung wurde zwischen 1985 und 1989 nur sporadisch fortgesetzt.

1989 erhielt der südliche Teil des Daches eine neue Deckung, und die Patronatsloge wurde als beheizbarer Gottesdienstraum ausgebaut, in dem die Gemeinde im Winter feiert; im Sommer geht sie in die romanische Kirche Treben in Lösau.

Der Förderverein seit 2000

Im Jahr 2000 gründeten Bürgerinnen und Bürger den Förderverein zur Erhaltung der Dorfkirche Dehlitz/Saale e.V. Mit Eigenleistungen der Mitglieder und zum Teil unentgeltlichen Beiträgen örtlicher Handwerksbetriebe wurden die schlimmsten Schäden behoben.

Lichtleitungen wurden erneuert, die Tür zur Winterkirche repariert, der Zugangsweg saniert, eine Hainbuchenhecke als Ersatz für den Zaun gepflanzt und die Kirche für Besucher zugänglich gehalten. Seit dem Tag des offenen Denkmals 2003 hängt eine Kopie des Guardi-Gemäldes im Chor.

Das Original war 1992 in der Ausstellung Venedigs Ruhm im Norden in Hannover und Düsseldorf zu sehen. Verein und Kirchengemeinde Dehlitz-Lösau veranstalten gemeinsam Gottesdienste, Konzerte und Ausstellungen; ein Vereinsmitglied ließ sich zur Kirchenführerin ausbilden.

Das 2001 entwickelte Sanierungskonzept sah vor, Dachstuhl und Dach zu reparieren, das Mauerwerk zu stabilisieren und trockenzulegen, den Glocken einen angemessenen Glockenstuhl zu geben und den Innenraum mit der Ausstattung zu restaurieren, damit auch die ausgelagerten Kunstgegenstände zurückkehren können.

Vorgesehen waren eine flexible Bestuhlung mit Podium für Konzerte und die Nutzung der Sakristei für kleinere Veranstaltungen. Die Gesamtkosten wurden 2003 auf rund 350.000 Euro geschätzt, die dringendsten Sicherungsarbeiten am Dach auf etwa 60.000 Euro; die Kirchengemeinde stellte Förderanträge bei der Stiftung KiBa und der Deutschen Stiftung Denkmalschutz.

Warum diese Kirche zählt

Dehlitz liegt in einer strukturschwachen Region im Einzugsgebiet von Leipzig und Halle, am Saale-Radwanderweg, neben dem Park des ehemaligen Rittergutes, der als Naturschutzgebiet ausgewiesen ist, und der romanischen Kirche im benachbarten Lösau.

Die Verbindung von Kirche, Gut und Park war einmal eine der schönsten Anlagen der Gegend, und auch im beschädigten Zustand ist die Harmonie zu spüren. Für eine kleine Dorfkirche ist die barocke Ausstattung ungewöhnlich reich.

Mit ihrem Erhalt soll das Dorf seinen geistigen und kulturellen Mittelpunkt zurückerhalten, offen für Gottesdienst, Konzert, Ausstellung und Begegnung. Wie Fördervereine und Gemeindestiftungen solche Vorhaben rechtlich tragen, beschreibt die Seite Stiftungsrecht; weitere Kirchen der Region zeigt die Karte.

Häufige Fragen

Wo liegt Dehlitz?

Dehlitz ist ein Dorf an der Saale im Burgenlandkreis, südlich von Weißenfels, am Saale-Radwanderweg zwischen Halle und Naumburg. Es gehört heute zur Stadt Lützen. Der Ort geht auf eine slawische Siedlung des 9. Jahrhunderts zurück.

Was ist von der Kirche erhalten?

Der Chorraum mit der reichen barocken Ausstattung: die Sandsteinkanzel vom Anfang des 16. Jahrhunderts mit Reliefs Christi und der Evangelisten, die Patronatsloge aus Sandstein, das Epitaph für Johann von Wolffersdorff von 1613 und der barocke Altar von etwa 1740. Kirchenschiff, Turm, Orgel und Holzempore gingen 1973 verloren.

Wo ist das Altarbild?

Das Abendmahlsbild des venezianischen Malers Giovanni Antonio Guardi aus dem Jahr 1738 wird seit 1971 im Landesamt für Denkmalpflege in Halle verwahrt. 1992 war es in der Ausstellung Venedigs Ruhm im Norden in Hannover und Düsseldorf zu sehen; seit 2003 hängt eine Kopie in der Kirche.

Wie kann man den Förderverein unterstützen?

Der Förderverein zur Erhaltung der Dorfkirche Dehlitz/Saale e.V. nimmt Mitglieder und Spenden auf und veranstaltet mit der Kirchengemeinde Dehlitz-Lösau Konzerte, Ausstellungen und den Tag des offenen Denkmals. Ansprechpartner nennt die Kirchengemeinde im Kirchenkreis Merseburg.

Titelbild: Dorfkirche Dehlitz an der Saale – Jwaller, CC BY-SA 3.0, über Wikimedia Commons.