Die Magdeburger Johanniskirche mit gotischem Chor, hohen Maßwerkfenstern und grün gedecktem Dach hinter kahlen Zweigen.
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Magdeburg als Lutherstadt: Schuljahr und Unseres Herrgotts Kanzlei

· Stand 18. September 2026

Magdeburg mit seinem Dom war Sitz des Bischofs und der Kirchenleitung der Evangelischen Kirche der Kirchenprovinz Sachsen, der Kirche, die in dieser Region aus der Reformation hervorging, und ist heute Sitz des Landesbischofs der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland. Magdeburg könnte sich Lutherstadt nennen; die Nachrichten über Luthers Aufenthalte sind allerdings spärlich.

Der Lateinschüler von 1497

Zusammen mit einem anderen Schüler aus Mansfeld schickte der Vater den vierzehnjährigen Martin 1497 auf die damals berühmte Schule der Stadt. Welche Schule das war, ist nicht überliefert; die Vermutung, sie sei von den Brüdern vom gemeinsamen Leben betrieben worden, wird zunehmend bestritten. Wohnung erhielt der Lateinschüler bei einem ebenfalls aus Mansfeld stammenden Vorsitzenden des Kirchengerichts, dem Offizial Paul Moßhauer.

Für seinen Lebensunterhalt musste Luther wie alle Schüler durch Kurrendesingen Gaben erbitten. Beeindruckt hat ihn die Gestalt eines Franziskaners: Fürst Wilhelm von Anhalt war 1473 in den Orden eingetreten und ging mit dem Bettelsack durch die Stadt.

Dass der Vater den Sohn nach einem Jahr nach Eisenach schickte, mag an den Verwandten dort gelegen haben, vielleicht auch an der Sorge, die Sympathien für die Bettelmönche könnten zu stark werden.

Visitation 1516 und Predigt 1524

Fast zwei Jahrzehnte später kam Luther im Frühjahr 1516 auf seiner Inspektionsreise durch die Augustinerklöster Sachsens und Thüringens nach Magdeburg, um im dortigen Kloster nach dem Rechten zu sehen und für die sorgfältige Beobachtung der Ordensregeln einzutreten.

Ein drittes Mal führte ihn der Weg am 26. Juni 1524 in die Elbestadt: Er predigte in der Johanniskirche, der größten Stadtkirche unmittelbar neben dem Rathaus und geistlichem Zentrum der Bürger.

Der Dom war damals Mittelpunkt des Erzbistums, hatte diese Rolle aber längst mit Halle zu teilen, wohin die Erzbischöfe ihre Residenz verlegt hatten, und lag am Rand der Stadt. Mit der Predigt in der Johanniskirche war die Wende vollzogen; Magdeburg zählte fortan zu den treuen Städten der Reformation.

Unseres Herrgotts Kanzlei

Bald nach Luthers Tod zeigte sich das. Im Schmalkaldischen Krieg verweigerte die Stadt die Annahme des Augsburger Interims, der Kompromissformel, die den Protestanten bis zu einem Konzil nur Laienkelch und Priesterehe zugestand und sonst die katholischen Bräuche wieder einführte.

Aus den Magdeburger Druckereien gingen die Streitschriften der Reformation ins Reich; daher der Name Unseres Herrgotts Kanzlei. Gegen Moritz von Sachsen, den Vollstrecker der Reichsacht, verteidigte sich die Stadt 1550/51, bis sie am 4. November 1551 kapitulieren musste.

Im Dreißigjährigen Krieg widerstand Magdeburg 1630 der Belagerung Wallensteins und 1631 zunächst der Tillys, bis am 10. Mai 1631 Einnahme und Brand fast die ganze Stadt zerstörten.

Was heute zu sehen ist

Die wenigen Aufenthalte Luthers und die beiden Belagerungen lassen es zu, Magdeburg eine Lutherstadt zu nennen, wenn auch von geringerer Bedeutung als Wittenberg. Zur Erinnerung stellten die Bürger 1886 ein Lutherdenkmal vor der Johanniskirche auf; nach längerer Restaurierung steht es seit 1995 wieder dort.

Die Johanniskirche selbst, Symbol protestantischen Lebens in Magdeburg, blieb nach der Zerstörung am 16. Januar 1945 als Ruine stehen, wurde profaniert und wird seit 1999 nach mehrjährigem Wiederaufbau als Konzert- und Veranstaltungshalle genutzt.

In die Augustinerklosterkirche zogen 150 Jahre nach Luthers Tod reformierte Glaubensflüchtlinge ein und machten sie zur Wallonerkirche. Heute gibt es in der Stadt lutherisch und reformiert geprägte evangelische Gemeinden, Freikirchen und die katholische Kirche, die 1994 erneut ein Bistum Magdeburg errichtete. Der Dom ist Predigtkirche des Landesbischofs und Station der Straße der Romanik; alle Lutherstätten der Region führt die Übersicht.

Häufige Fragen

Wann war Luther in Magdeburg?

Dreimal: 1497/98 als Lateinschüler, im Frühjahr 1516 als Visitator des Augustinerklosters und am 26. Juni 1524, als er in der Johanniskirche predigte. Die Predigt gab der Stadt die endgültige Wende zur Reformation.

Warum heißt Magdeburg Unseres Herrgotts Kanzlei?

Weil die Stadt im Schmalkaldischen Krieg das Augsburger Interim ablehnte, aus ihren Druckereien die Schriften der Reformation ins Reich sandte und sich 1550/51 gegen Moritz von Sachsen verteidigte, den Vollstrecker der Reichsacht. Am 4. November 1551 musste sie kapitulieren.

Was ist aus der Johanniskirche geworden?

Die größte Stadtkirche Magdeburgs, neben dem Rathaus, wurde am 16. Januar 1945 zerstört, blieb als Ruine erhalten und wird nach dem Wiederaufbau seit 1999 als Konzert- und Veranstaltungshalle der Stadt genutzt. Das Lutherdenkmal von 1886 steht seit 1995 wieder vor der Kirche.

Wo steht der Magdeburger Dom zu Luther?

Der Dom war zu Luthers Zeit Sitz des Erzbischofs und blieb zunächst katholisch; erst 1567 wurde er evangelisch. Heute ist er Predigtkirche des Landesbischofs der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland und Station der Straße der Romanik.

Titelbild: Johanniskirche in Magdeburg – Jwaller, CC BY-SA 3.0, über Wikimedia Commons.